Die in der Nähe des Deutschen Ecks, am Zusammenfluss von Rhein und Mosel gelegene Basilika St Kastor ist die älteste Koblenzer Kirche.
Jüngere archäologische Grabungen förderten Vorgängerbauten zutage, die von einer jahrhundertealten, kirchlichen Tradition an diesem Platz lange vor der Weihe des Gotteshauses im Jahre 836 durch den Trierer Erzbischof Hetti zeugen, der in Kaiser Ludwig dem Frommen einen einfrigen Förderer für den Kirchenbau fand.
Die Kirche ist einschließlich der Vorhalle 58,25 m lang, die Gesamtbreite beträgt 25,30 m. Die Türme sind 44,00 m hoch dabei 6,00 m breit und 6,80 m tief.
Am Martinstag 836 übertüg Erzbischof Hetti den Leib des Heiligen Kastor vom Moselort Karden in das neue Münster, das am Tage darauf, dem 12 November auf den Namen Kastors und aller heiligen Bekenner geweiht wurde.
Kastor auf den dieses Gotteshaus geweiht wurde , hat im 4. Jahrhundert an der Mosel das Christentum gepredigt.
St. Kastor entwickelte sich zu einer reichen und mächtigen Stiftskirche, die in der französischen Revolution aufgehoben wurde und heute als Pfarrkirche dient, die 1991 wegen ihrer geschichtlichen Daten, ihrer religiösen und kulturellen Bedeutung von Papst Johannes Paul II. in den Rang einer Basilika Minor erhoben wurde.
Die Basilika St. Kastor hat wohl die reichste Ausstattung aller Koblenzer Kirchen, die zusammen mit der Architektur einen Abriss, der Kunstgeschichte von der Karolingerzeit bis ins 20. Jahrhundert zu vermitteln vermag.
Auf der rechten Seite im Eingangsbereich, befindet sich die Weißmarmorfigur von Joachim, er soll der Vater der Gottesmutter Maria sein.
Die Figur stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde wahrscheinlich von Ferdinand Tietz geschaffen.
Ehemals stand sie im Kurfürstlichen Schloss in Koblenz.
Auf der linken Seite im Eingangsbereich befindet sich die Weißmarmorfigur von Anna, sie soll die Mutter der Gottesmutter Maria sein.
Die Figur stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde wahrscheinlich von Ferdinand Tietz geschaffen.
Ehemals stand sie im Kurfürstlichen Schloss in Koblenz.
Diese vier Steinplastiken, über den Säulen des Mittelschiffs, stellen die vier großen Propheten des alten Bundes, Daniel, Ezechiel, Isaias und Jeremias dar. Eine Arbeit des Kölner Bildhauers Josef Fuchs von 1858 im "Weichen Stil" des 19. Jahrhunderts.
An der Wand des nördlichen Seitenschiffs hängt ein frühbarockes Ölgemälde darstellend den Heiligen Goar.
Das Pendant dazu, an der Westwand des südlichen Seitenschiffs, zeigt den Heiligen Kastor mit dem Modell der Kirche.
Beide Ölgemälde tragen zu Füßen der Heiligen das Wappen des Trierer Kurfürsten Johann Philipp von Sötern mit der Jahreszahl 1627.
Auf dem Altartisch, den Baurat Mäckler 1893 entwirft, der Reliquienschrein der seligen Rizza, 1894 von dem Koblenzer Kunsthandwerker Meyer geschaffen und 1906 in Maria Laach bemalt. Die Inschrift auf der Mensa weist darauf hin, dass der Altar einen Vorgänger hatte.
Rizza gilt als die eigentliche Stadtheilige von Koblenz.
Rechts neben dem Altar ein neu entdecktes Fresko aus spätgotischer Zeit. Dargestellt ist eine Frauengestalt mit Krone, vermutlich die selige Rizza, die nach der Legende eine Tochter Ludwigs des Frommen gewesen sein soll.
Im vierten Joch folgt das Grabmal des Dechanten Maternus Gillenfelt (gest. 1607). Es ist aus Sandstein, bemalt, vergoldet und versilbert. Im Mittelpunkt: Christus erscheint Maria Magdalena als "Gärtner" und "Guter Hirte". Im Seitenmedaillion die büßende Magdalena, im Feld gegenüber Gillenfelt selbst.
Die Mittelkartusche des Sockels enthält lateinische Inschriften, in der Gillenfelt als ein Mann von großer Gelehrsamkeit, Beredsamkeit und Klugheit gepriesen wird. Auffallend die Karyantiden, die die Längsfelder teilen.
Ein Schmuckstück ist die frühbarocke Sandsteinkanzel von 1625 am vierten Arkadenpfeiler, ein Werk des Bildhauers Peter Kern. Die "Bütt", die einer Balustersäule aufsitzt, ist aus vier Seiten eines Sechsecks gebildet. Auf den Brüstungsflächen ausgezeichnete Reliefs, darstellend die "Evangelisten im Gehäuse", an den Ecken Vollplastiken der vier großen Kirchenväter (Gregor, Augustinus, Ambrosius und Hieronimus) und des Guten Hirten. 19 Wappen, wohl von Stiftern und Stiftsherren.
An der Treppe ein kunstvolles Eisengitter aus derselben Zeit, dessen Handlauf in einem Kopf endet (der des Schmids?).
In der neu gestalteten Vierung steht der Zelebrations oder Opferaltar aus Terce und Jurakalk von 1990, ein Werk des Kölner Bildhauers Theo Heiermann.
Mit dem Fresko auf der Triumpfbogenwand über dem Opferaltar ermöglicht uns Clemens Hillebrand die Betrachtung einer imaginären Stadt, die in der Vorstellung an das himmliche Jerusalem angelehnt ist.
Das himmliche Jerusalem symbolisiert das neue Paradies als Reich Gottes, Christi und aller Heiligen. Vor der himmlichen Stadt sehen wir über dem Gurtbogen die Darstellung der Kirche St. Kastor, um so einen Rückbezug auf die hier versammelte, gläubige Gemeinde zu formulieren.
Eines der beiden Basilikainsignien ist das Tintinabulum (Wappenschild mit Glöckchen). Im linken oberen Feld befindet sich das päpstliche Wappen, mit den Insignien des Petrusamtes. So wird deutlich, dass die Erhebung zur Basilika ein päpstliches Geschenk ist.
Im rechten oberen Feld sehen wir das Trierer-Kreuz. Es erinnert daran, dass wir zum Bistum Trier gehören, dessen Bischof unsere Bitte um die Erhebung an die deutsche Bischofskonferenz und nach Rom weitergeleitet hat.
Am unteren Teil des Wappens sehen wir die Abbildung des Löwen von Anquitanien mit dem Kreuz. Dieses Symbol soll uns daran erinnern, dass unser Kirchenpatron der Heilige Kastor aus Anquitanien (heute Südfrankreich) kam, um das Christentum in unserer Region zu verkünden und zu vertiefen.
Beim Connopeum (Basilikaschirm), italienisch Patiglione genannt handelt es sich um einen auf einer Tragestange angebrachten kegelförmigen Schirm aus gelb-rot gestreifeter Seide. Die Stange läuft über dem zeltartigen Schirm aus in einer Kugel, die von einem Kreuz überragt wird.
Bei Prozessionen in und auserhalb der Kirche trägt man die Ehrenzeichen dem Klerus voran, wobei das vor dem Connopeum zu tragende Tintinabulum unterwegs geläutet wird.
Das quadratische Chorhaus mit halbkreisrunder Apsis wird beherrscht von dem mächtigen Hochaltar, der 1848 nach Plänen des Baumeisters Johann Claudius von Lasselaux und des Malers Heinrich Knauth errichtet wurde. Die beiden Reliquiare von 1854/55 sind von Vincenz Statz entworfen, den Gebr. A. A. Michels ausgeführt und von dem Maler Wilhelm Mayr bemalt worden. Eine überaus qualitätvolle Arbeit. Der Altar besticht durch seine klassezistischen Formen.
Der stufenförmige Aufbau führt zu dem großen Bronzekruzifix (1685), modeliert von dem Nürnberger Barockbildhauer Georg Schweigger, gegossen von Wolf Hieronimus Gerold in Nürnberg. Das Kreuz ist eine Schenkung der Frfr. A. M. Christ. Sophie von Schmidburg. Die dazu gehörenden zwei Engelfiguren sind leider verloren gegangen.
Über dem Altar in der Muschel der Apsis das Fresko von Joseph Anton Nikolaus Settegast. dieses Bild von 1848 verheißt dem gläubigen Christen die Herrlichkeit Gottes. Auf der Darstellung sehen sie in der Mitte einer Mandorla auf Wolken thronende Christus. Oberhalb der Mandorla ist Gott Vater mit der Weltkugel in der linken Hand dargestellt. Unter ihm befindet sich die Taube, als Zeichen des Heiligen Geistes. Die Kombination ist so erweitert zu einer Darstellung der Heiligsten Dreifaltigkeit. Zur Rechten Christi sehen wir Maria und den Heiligen Nikolaus, zur Linken den Heiligen Kastor mit dem Modell der Kirche und dem Heiligen Antonius von Padua. Zwei Verkündigungsengel bilden Links und Rechts den Abschluss des Bildes.
Auf der Nordseite des Chors steht das bedeutenste Einzeldenkmal der Kirche, das hochgotische Wandgrab des Erzbischofs und Kurfürsten Kuno von Falkenstein (gest. 1388). Auf der mit Blendarkarden reich gegliederten Tumba liegt der Erzbischof im vollen Ornat, von einem Baldachin überragt; die Füße stehen auf zwei Löwen. neben dem Erzbischof drei Assistenzfiguren. Der Erzbischof ist nicht als "Liegender" sondern "Stehender" gearbeitet, was bemerkenswert ist. Im Bogenfeld ein (stark restauriertes) Fresko, das Wilhelm von Köln zugeschrieben wird.
Das Grabmal zählt zu den Hauptwerken der mittelrheinischen Plastik und Malerei vom Ende des 14. Jahrhunderts. die Grabfigur gilt in der Kunstgeschichte als eines der Beispiele dafür, dass bei Grabfiguren Porträtähnlichkeit angestrebt wurde.
Gegenüber auf der Südseite das spätgotische Wandgrab des Erzbischofs Werner von Falkenstein (gest. 1418), der ein Großneffe und der Nachfolgers Kunos war. Der Bogen der Grabnische und die der Blendarkaden der Tumba zeigen die fortgeschrittene Form des Kielbogens. Auch Erzbischof Werner liegt im vollen Ornat auf der Tumba. Zu seinem Haupt halten zwei Engel den Wappenschild, auf dessen Rückseite das Schweißtuch der Veronika im Flachrelief dargestellt ist.
Im Bogenfeld das Fresko einer Bethlehemszene von Theophil Gassen (1869). Das Bild war völlig verblasst und wurde bei der letzten Restaurierung der Kirche wieder sichtbar gemacht. Das ganze Grabmal ist wesentlich einfacher als das Wandgrab gegenüber.
An der Ostwand des südlichen Querschiffsarms steht das hochbarocke Erinnerungsmal, das der Geheimrat Wilh. Ad. Frhr. von Schmidburg um 1710 zum Gedächtnis für seine Eltern errichtet hat. Das Denkmal aus buntem Lahnmarmor, der Korpus des Kruzifixes ist aus Alabaster. Es hat 1956 eine Mensa erhalten.
Hoch an der Südwand, im Steinrahmen des 12. Jahrhunderts, 16 spätgotische Tafelbilder von den ehemaligen Chorschranken, eine Ölmalerei auf Tannenholz um 1480.
Dargestellt sind die 12 Apostel, Christus, St. Kastor, Maria und die Selige Rizza. Jedes Bild hat über dem Nimbus ein Spruchband. Auf dem der Apostel sind die Glaubenssätze des Credo aufgeschrieben.
Links neben dem Südportal befindet sich das spätgotische Epithaph des Ritters von Schönborn und seiner Gattin aus dem Geschlecht der Waldbot-Bassenheim. Es ist aus Sandstein und wurde 1480 errichtet. Das Ehepaar verehrt kniend die Gottesmutter. Über einem Zinnabschluß das Wappen der Schönborns.
Neben dem Südportal befindet sich eine Messingplatte mit Inschrift (lateinisch): "Hier erwarten die Auferstehung die hochverdienten Kurfürsten und Erzbischöfe von Trier Johannes von Isenberg, gest. am 18. 2. 1556 und Johannes von der Leyen gest. 9. 2. 1567 deren Körper aus der Stiftskirche St. Florin am 27. 5. 1808 hierher übertragen wurden.
Im Joch rechts neben dem Südportal das Doppelgrabmal aus Sandstein des um 1411 verstorbenen Koblenzer Amtmanns Friedrich von Sachsenhausen und seiner Ehefrau Sophie Schenk von Liebenstein. Die Eheleute stehen in Lebensgröße in einer mit Krabben besetzten flachen Spitzbogenblende, mit leichtem Kielansatz. Die Inschrift auf den beiden Tafeln sind verloren. Das Grabmal zählt zu den schönsten Beispielen des "Weichen Stils" im Rheinland.
Im südlichen Seitenschiff, auf dem Gang nach Westen, folgt der pokalförmige Taufstein aus rotem Lahnmamor, mit Messingdeckel, aus dem 18. Jahrhundert. An der Wand ein moderner Teppich: Die Ausgießung des Heiligen Geistes.
Eine weitere Kostbarkeit befindet sich im nächsten Joch. Das als "Brigittenbild" bezeichnete Madonnenbildnis, ein spätgotisches Gemälde aus der Mitte des 15. Jahrhunderts in einem neugotischen Rahmen, es ist erst1884 der Kirche geschenkt worden. Es soll aus Schweden, von der Heiligen Brigitta stammen.
Die Katholische Pfarrgemeinde St. Kastor in Koblenz würde sich sehr freuen, wenn Sie dieses einzigartige und geschichtsträchtige Gotteshaus einmal persönlich besuchen würden. Wir sagen Ihnen schon heute ein herzliches Willkommen.
Öffnungszeiten unserer Kirche gänzjährig von Monntags bis Sonntags von 9:00 Uhr - 18:00 Uhr.