Baugeschichte

kastor_sued St. Kastor wurde in unmittelbarer Nähe des Deutschen Ecks errichtet. Archäologische Ausgrabungen haben 2 Grundrisse von tiefer liegenden Häusern mit Feuerstellen aus der La-Ten-Zeit (5.-6. Jahrhundert vor Christi) zu Tage gebracht.

Die Römer bauten um 100 n.Chr. an diesem Platz einen gallorömischen Umgangstempel. Mit dem Ende der römischen Herrschaft am Mittelrhein im 5. Jahrhundert hatte der römische Tempel seine Bedeutung verloren. An dessen Stelle entstand eine christliche „Memoria“ mit einem Friedhof. In den 30er Jahren des 9. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der Kastorkirche begonnen. Da Koblenz bis ins 11. Jahrhundert Königsgut war, galt Kaiser Ludwig der Fromme als Bauherr und St. Kastor als Eigenkirche der Karolinger. Der wahre Bauherr der Kirche war jedoch Erzbischof Hetti von Trier, der die Kirche auch weihte.

Diese Weihe am 12. November 836 galt zunächst einem Saalbau mit rechteckigem Chorabschluss, der aber bereits im 9. Jahrhundert um das heutige Querhaus mit halbkreisförmiger Apsis erweitert wurde. In einer weiteren Bauphase wurde die „Memoria“ als Gruftkapelle über eine Ringkrypta mit der Kirche verbunden.

Die karolingische Anlage wurde im 10. Jahrhundert nochmals verändert und im Osten um eine Chorscheitelrotunde erweitert. In dieser Zeit entstanden auch die beiden Seitenschiffe des Langhauses und der untere Teil des Westbaus, der durch 2 mächtige Rundtürme flankiert wurde.

St. Kastor wurde zum bedeutenden Treffpunkt der Kaiser und Könige sowie deren Nachfahren und zum Schlichtungsort, in dem Streitigkeiten der herrschenden Kaiser und Könige verhandelt und beigelegt wurden.

Kaiser Heinrich II., der Heilige, Herrscher aus dem Hause Sachsen, schenkte 1018 dem Bischof von Trier die König-Pfalz Koblenz. Damit gehörte Koblenz zum Trierer Erzbistum, dem späteren Kurfürstentum Trier.

Die Rundtürme wurden im 11. Jahrhundert abgebrochen, man begann mit dem Bau der beiden Westtürme. Dabei dienten Teile der Rundtürme als Grundlage für die Errichtung der Treppentürmchen für die Westtürme.

1138 wurde Konrad III. in St Kastor von einer Fürstenversammlung zum König gewählt. 1160 begann unter Probst Buvo der Umbau der Kirche zu seiner heutigen Form und Größe. Es wurden die Ringkrypta, Grabkapelle, Rotunde und die Apsis der karolingischen Kirche niedergelegt. An deren Stelle entstand der heutige Ostbau, ein quadratischer überwölbter Chorraum mit von Türmen flankierter halbkreisförmiger Apsis, Schatz- und Heiligtumskammern. Im Jahr 1180 entstand das 6. Geschoss der Westtürme, und im Jahr 1230 schließlich wurde das 7. Geschoss aufgesetzt. Auch um 1200 wurde das Langhaus neu gebaut. Am 27. Juli 1208 wurde St. Kastor durch Erzbischof Johann I. erneut geweiht.

In den Jahren 1496 – 1499 wurde der Innenbereich weitgehend verändert. Die strenge romanische Wandgliederung mit den von Pfeilern aufsteigenden Lisenen ging verloren. Der Einbau der Sterngewölbe in die Vierung und im Hauptschiff des Langhauses ist eine Meisterleistung der Baukunst im Mittelalter.

Die Herrschaft der Trierer Kurfürsten endete 1794 mit dem Einmarsch der französischen Revolutionsheere in das Rheinland.

Im Jahre 1830 wurde unter der Leitung des preußischen Bauinspektors Johann Claudius von Lassaux mit einer umfassenden Innenrestaurierung der Kirche begonnen und im Jahre 1848 kurz vor dessen Tod vollendet.

Das heutige äußere Erscheinungsbild erhielt St. Kastor 1890-94, indem man den Bau mit einer Tuffsteinverblendung ummauerte. Umfangreiche Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten wurden in den Jahren 1979-1990 durchgeführt.

Im Jahre 1991 erhob Papst Johannes Paul II. St. Kastor zur päpstlichen Basilika.

Die Urkunde wurde uns in einem feierlichen Pontifikalamt am 16. Februar 1992 vom Apostolischen Nuntius in Deutschland SE Erzbischof Dr. Lajos Kada überreicht.